‡Du hast dich entschieden: Chiropraktik ist der Beruf, den du ausüben möchtest. Jetzt fragst du dich, welche Voraussetzungen du mitbringen musst. Brauchst du Abitur? Muss ich vorher Physiotherapie gelernt haben? Brauche ich naturwissenschaftliche Vorkenntnisse?
Die Antwort hängt davon ab, welchen Ausbildungsweg du einschlagen möchtest. Denn in Deutschland gibt es nicht den einen Weg in die Chiropraktik, sondern mehrere – und jeder hat unterschiedliche Zugangsvoraussetzungen. In diesem Artikel erfährst du, was du für die verschiedenen Wege brauchst: vom Studium über Fachausbildungen bis hin zur unverzichtbaren Heilpraktikererlaubnis.
Voraussetzungen für das internationale Studium
Das Studium im Ausland (Doctor of Chiropractic) hat die höchsten formalen Anforderungen:
Schulische Voraussetzungen
- Hochschulzugangsberechtigung – in der Regel Abitur oder ein gleichwertiger internationaler Abschluss
- Naturwissenschaftliche Grundkenntnisse – viele Hochschulen setzen Leistungskurse oder Vorkenntnisse in Biologie, Chemie und/oder Physik voraus
- Englischkenntnisse – das Studium findet vollständig auf Englisch statt. Die meisten Hochschulen verlangen einen Nachweis (z. B. IELTS oder TOEFL)
Weitere Anforderungen
- Finanzielle Planung – Studiengebühren liegen je nach Hochschule bei 10.000–30.000 Euro pro Jahr, dazu kommen Lebenshaltungskosten im Ausland
- Bereitschaft, mehrere Jahre im Ausland zu leben – das Studium dauert 4–5 Jahre (je nach Land und Hochschule)
- Gesundheitliche Eignung – einige Hochschulen verlangen ein ärztliches Attest
Ohne Abitur möglich?
In Ausnahmefällen ja. Einige internationale Hochschulen akzeptieren alternative Zugangsqualifikationen – etwa eine abgeschlossene Berufsausbildung im Gesundheitsbereich in Kombination mit Berufserfahrung. Die genauen Regelungen variieren je nach Hochschule und Land.
Voraussetzungen für akademische Wege im deutschsprachigen Raum
Chiropraktik Campus + Donau-Universität Krems (Bachelor/Master)
- Keine Hochschulreife erforderlich – die Grundausbildung am Chiropraktik Campus ist auch ohne Abitur oder Fachhochschulreife möglich. Du kannst also als Quereinsteiger starten und dir über die Grundausbildung den Zugang zum akademischen Abschluss erarbeiten.
- Für den Bachelor: Abgeschlossene Grundausbildung am Chiropraktik Campus oder vergleichbare chiropraktische Qualifikation
- Berufsbegleitend möglich – Präsenzphasen plus Fernstudienanteile
Hochschule Fresenius (Bachelor)
- Abitur oder Fachhochschulreife
- Interesse an Naturwissenschaften und Medizin
- Aufnahmetest oder Vorstellungsgespräch (je nach Studiengang)
- Studiengebühren: ca. 900 Euro pro Monat
Voraussetzungen für Fachausbildungen
Fachausbildungen an Instituten wie dem DIC, Ackermann College oder der Waier Chiropractic Academy haben oft andere Zugangsvoraussetzungen als akademische Wege:
Typische Anforderungen
- Medizinische Vorbildung – viele Institute setzen eine abgeschlossene Ausbildung als Heilpraktiker, Arzt, Physiotherapeut oder Osteopath voraus. Das stellt sicher, dass Teilnehmer bereits anatomische und physiologische Grundkenntnisse mitbringen.
- Heilpraktikererlaubnis (oder der Plan, sie parallel zu erwerben) – da man ohne Heilpraktikererlaubnis nicht eigenständig behandeln darf, ist diese ein praktisches Muss
- Kein Abitur erforderlich – der Zugang über Fachausbildungen ist auch ohne Hochschulreife möglich, sofern eine medizinische Grundqualifikation vorhanden ist
Besonderheiten einzelner Institute
- DIC (Deutsches Institut für Chiropraktik): Richtet sich explizit an Ärzte, Heilpraktiker, Physiotherapeuten und Osteopathen. Modularer Aufbau – du kannst mit einem Basiskurs starten und dich schrittweise spezialisieren.
- Ackermann College: Offener für Quereinsteiger, setzt aber die Bereitschaft voraus, die Heilpraktikererlaubnis zu erwerben.
Die Heilpraktikererlaubnis – für alle Wege unverzichtbar
Egal welchen Ausbildungsweg du wählst: Um in Deutschland eigenständig chiropraktisch zu arbeiten, brauchst du eine Heilpraktikererlaubnis (es sei denn, du bist Arzt).
Was ist die Heilpraktikerprüfung?
Die Prüfung wird vom Gesundheitsamt abgenommen und besteht aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil. Sie prüft, ob du über die nötigen medizinischen Grundkenntnisse verfügst, um Patienten sicher zu behandeln – und vor allem, ob du erkennst, wann du nicht behandeln darfst und an einen Arzt überweisen musst.
Prüfungsinhalte
- Anatomie und Physiologie
- Pathologie (Krankheitslehre)
- Labordiagnostik
- Differentialdiagnose
- Infektionskrankheiten und Hygiene
- Gesetzeskunde (Heilpraktikergesetz, Infektionsschutzgesetz)
- Psychiatrie und Notfallmedizin
Durchfallquote und Vorbereitung
Die Heilpraktikerprüfung gilt als anspruchsvoll – die Durchfallquote liegt bei vielen Gesundheitsämtern bei 60–80 Prozent. Eine sorgfältige Vorbereitung ist daher essenziell. Es gibt verschiedene Vorbereitungskurse (Vollzeit oder berufsbegleitend), die in der Regel 6–12 Monate dauern.
Wann solltest du die Prüfung machen?
Idealerweise parallel zu oder kurz vor deiner chiropraktischen Ausbildung. Viele Ausbildungsinstitute empfehlen, die Heilpraktikererlaubnis vor oder während der Fachausbildung zu erwerben.
Persönliche Voraussetzungen – was kein Zertifikat misst
Neben den formalen Anforderungen gibt es Eigenschaften, die im Berufsalltag als Chiropraktiker mindestens genauso wichtig sind:
Anatomisches und medizinisches Interesse
Chiropraktik basiert auf einem tiefen Verständnis des menschlichen Körpers. Wenn dich Anatomie, Neurologie und Biomechanik nicht wirklich interessieren, wirst du es schwer haben – nicht in der Ausbildung, sondern im Berufsalltag, wo dieses Wissen täglich gebraucht wird.
Handwerkliches Geschick und Feingefühl
Eine chiropraktische Justierung ist Präzisionsarbeit. Du musst spüren, wo der Körper Einschränkungen hat, und den Impuls mit genau der richtigen Kraft, Richtung und Geschwindigkeit setzen. Das erfordert feinmotorische Fähigkeiten, die mit Übung besser werden – aber ein Grundmass an Feingefühl solltest du mitbringen.
Kommunikationsfähigkeit und Empathie
Du arbeitest direkt mit Menschen – viele davon kommen mit Schmerzen, Sorgen oder Unsicherheiten. Die Fähigkeit, zuzuhören, komplexe Zusammenhänge verständlich zu erklären und eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen, ist essentiell.
Physische Belastbarkeit
Der Beruf ist körperlich fordernd. Du stehst den ganzen Tag, arbeitest mit deinen Händen und brauchst eine gute eigene Körperhaltung und Fitness. Viele erfahrene Chiropraktiker betonen, wie wichtig die eigene Gesundheitspflege für die Langlebigkeit im Beruf ist.
Häufig gestellte Fragen
Brauche ich Abitur für die Chiropraktik-Ausbildung?
Für das internationale Studium (D.C.) und den Studiengang an der Hochschule Fresenius: ja, Abitur oder Fachhochschulreife. Für den Chiropraktik Campus brauchst du kein Abitur – du startest mit der Grundausbildung und kannst darauf aufbauend den Bachelor machen. Auch für Fachausbildungen am DIC, Ackermann College oder vergleichbaren Instituten ist kein Abitur nötig – hier zählt in der Regel eine medizinische Vorbildung (z. B. Heilpraktiker oder Physiotherapeut).
Kann ich Chiropraktik als Quereinsteiger lernen?
Ja, aber du brauchst eine medizinische Grundlage. Der typische Weg für Quereinsteiger: Heilpraktikererlaubnis erwerben (6–12 Monate Vorbereitung) und dann eine chiropraktische Fachausbildung absolvieren. Manche Institute bieten Orientierungskurse an, mit denen du unverbindlich in das Fachgebiet hineinschnuppern kannst.
Wie schwer ist die Heilpraktikerprüfung?
Die Prüfung gilt als anspruchsvoll, mit Durchfallquoten von 60–80 Prozent. Die Vorbereitung dauert in der Regel 6–12 Monate. Mit einer strukturierten Vorbereitung – ob im Kurs oder im Selbststudium – ist die Prüfung aber gut zu schaffen. Entscheidend ist, die medizinischen Grundlagen wirklich zu verstehen, nicht nur auswendig zu lernen.
Kann ich als Physiotherapeut Chiropraktik lernen?
Ja, und das ist ein häufiger Weg. Deine physiotherapeutische Ausbildung gibt dir eine solide anatomische und medizinische Grundlage. Du musst zusätzlich eine Heilpraktikererlaubnis erwerben (falls noch nicht vorhanden) und eine chiropraktische Fachausbildung absolvieren. Institute wie das DIC richten sich explizit auch an Physiotherapeuten.
Fazit
Die Voraussetzungen für eine chiropraktische Ausbildung hängen stark vom gewählten Weg ab. Das internationale Studium verlangt Abitur, Naturwissenschaftskenntnisse und die Bereitschaft, mehrere Jahre im Ausland zu leben. Fachausbildungen in Deutschland sind zugänglicher – oft reicht eine medizinische Vorbildung als Grundlage. Was alle Wege gemeinsam haben: die Heilpraktikererlaubnis als rechtliche Voraussetzung und die Bereitschaft, sich lebenslang weiterzubilden.
Mindestens ebenso wichtig wie formale Qualifikationen sind die persönlichen Eigenschaften: medizinisches Interesse, Feingefühl und Kommunikationsfähigkeit. Wer diese Voraussetzungen mitbringt und bereit ist, in seine Ausbildung zu investieren, findet in der Chiropraktik einen erfüllenden und zukunftssicheren Beruf.